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Nachhaltigkeit

Dieser ursprüngliche Wortsinn wurzelt im forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdenken.
1661 formulierte erstmals ein Verwalter der Stadt Reichenhall unter dem Begriff „Ewiger Wald“ einen derartigen Ansatz. Zur Salzgewinnung wurde dort Sole verdampft, wozu viel Brennholz benötigt wurde. In den Wäldern um die Saline sollten nur so viel Bäume geschlagen werden, wie im gleichen Gebiet jedes Jahr nachwachsen. Die Salinenverwaltung erstellte sogar entsprechende Holzeinschlagspläne, doch hielt sich damals niemand daran.

Der Begriff Nachhaltigkeit selbst wird auf eine Publikation von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 zurückgeführt, in der er von der „nachhaltenden Nutzung“ der Wälder schrieb, ohne aber weiter auszuführen, wie sie zu erreichen sei. Hermann Friedrich von Göchhausen griff den Begriff 1732 auf. In seiner Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forstbestände von 1795 hat Georg Ludwig Hartig dann ausformuliert, was Nachhaltigkeit bedeutet, auch wenn er den Begriff nicht verwendet. „Nachhaltigkeit“ bezeichnet also zunächst die Bewirtschaftungsweise eines Waldes, bei welcher immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann, so dass der Wald nie zur Gänze abgeholzt wird, sondern sich immer wieder regenerieren kann.

Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung
Diesen Leitgedanken der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft griff die 1983 von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) auf, ohne jedoch auf den Ursprung in der deutschen forstwirtschaftlichen Debatte Bezug zu nehmen. Die Kommission unter dem Vorsitz der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland hatte den Auftrag, langfristige Perspektiven für eine Entwicklungspolitik aufzuzeigen, die zugleich umweltschonend ist. In ihrem auch als Brundtland-Bericht bekannt gewordenen Abschlussdokument „Unsere gemeinsame Zukunft“ aus dem Jahr 1987 ist das von diesem Leitgedanken inspirierte Konzept der nachhaltigen Entwicklung folgendermaßen definiert:
„Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können."
Dieses Konzept lieferte erstmals eine umfassende politische Strategie, um bislang getrennt behandelte Politikfelder gemeinsam zu behandeln. Es thematisiert Umweltprobleme der Industriestaaten gleichermaßen wie Schuldenprobleme der Dritten Welt und versucht dadurch sowohl eine Lösung für die Überwindung der Armut in Entwicklungsländern zu liefern wie für globale Umweltprobleme, so dass eine nachholende ökonomische Entwicklung der dritten Welt nicht zur Erschöpfung der ökologischen Grenzen der Erde führt. Aus dem Leitbild der Nachhaltigkeit wird im Konzept der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung das Postulat einer Entwicklung, welche den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.